Leibniz-Verbund Biodiversität

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Neu entdeckt und schon bedroht?

06. März 2017 Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

Forscher haben im Amazonasgebiet zwei neue Clownfrosch-Arten entdeckt. Der Fund zeigt, dass die Vielfalt der Frösche Südamerikas noch weitgehend unbekannt ist — und dennoch gefährdet.


Foto: Santiago R. Ron

Ein internationales Team unter Mitwirkung des Senckenberg-Wissenschaftlers Dr. Martin Jansen hat im Amazonasgebiet zwei neue Clownfrosch-Arten entdeckt. Die bunt-gefärbten Amphibien wurden bisher fälschlicherweise zu einer anderen Art gezählt. Erst DNA-Untersuchungen und eine Rufanalyse der untersuchten Populationen zeigten, dass die Artenvielfalt der Froschgruppe sehr viel größer ist. Die neuentdeckten Arten sind aufgrund ihrer kleinen Verbreitungsgebiete wahrscheinlich bedroht, die Ermittlung des Schutzstatus der neuen Arten steht aber noch aus. In ihrer heute im Fachjournal PloSONE publizierten Studie machen die Wissenschaftler aus sechs Ländern deutlich, dass eine komplette Arteninventur nur in internationaler Zusammenarbeit möglich ist.

In den vergangenen Jahrzehnten wurden mehr als 810.000 Quadratkilometer Regenwald im Amazonasgebiet zerstört, täglich verschwinden dort Arten aller Tierstämme. „Durch unsere neue Studie zeigen wir einmal mehr, dass wir die tatsächliche Artenvielfalt der Frösche Südamerikas noch nicht im Ansatz kennen, und dass auch vermeintlich weit verbreitete Arten gefährdet sein können“, erklärt Mitautor Dr. Martin Jansen vom Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt und fährt fort: „Wir haben die als ‚Allerweltsarten’ bekannten Clownfrösche Dendropsophus leucophyllatus und Dendropsophus triangulum bei Expeditionen in sechs Länder Amazoniens genau unter die Lupe genommen und konnten darlegen, dass es sich nicht um zwei, sondern um mindestens fünf, vielleicht sogar sieben Arten handelt. Zwei davon konnten wir als neu beschreiben.“

Clownfrösche sind eine Gruppe vor allem im Amazonasbecken weit verbreiteter Frösche, die aber auch in den angrenzenden Savannen vorkommen, ihren Populärnamen tragen sie aufgrund ihrer auffällig schönen Färbung. Die neuendeckten Arten leben in Bolivien und Peru und konnten erst mit Hilfe der „integrativen Taxonomie“ als eigenständige Arten entlarvt werden. „Wir haben sowohl morphologische und genetische Informationen, als auch die Rufe der Frösche miteinander verglichen – durch eine Kombination der verschiedenen Methoden konnten wir die beiden neuen Arten dann abgrenzen und zeigen, dass hinter den bisherigen zwei Arten eigentlich ein ganzer Artenkomplex steckt “, erläutert Jansen. Ganz besonders freut ihn die Entdeckung der neuen Art im Gebiet der Forschungsstation „Chiquitos“, die von Senckenberg mitbetrieben wird: „Dieser schöne Frosch ist eine Art „Flaggschiff“, die zeigt, wie wichtig biologische Feldstationen sind und dass es sich auszahlt, die Natur eines Gebietes über Jahre hinweg zu beobachten, besonders in den unerforschten Regionen der Megadiversitätsländer.“

Die heute erschienene Studie zeigt, dass die Zahl der Froscharten insbesondere in den Neotropen noch weit unterschätzt wird. Gründe hierfür sind die enorme Größe des Amazonasbeckens und das Fehlen einer flächendeckenden wissenschaftlichen Sammlung. Marcel Caminer, Erstautor der Studie von der Universidad Católica del Ecuador hierzu: „Amazonien ist von vielen Einflüssen bedroht: Zum einen die Abholzung, der Bergbau, und die Erdölförderung, zum anderen der Klimawandel. Deshalb ist es wichtig, eine komplette Bestandsaufnahme der Arten zu haben, um dann die notwendigen Schritte zum Schutz der Biodiversität zu unternehmen.“

Auch die beiden neuentdeckten Clownfroscharten sind wahrscheinlich bereits bedroht: ihre Verbreitungsgebiete sind räumlich stark begrenzt und durch Habitatzerstörung gefährdet. Jansen ergänzt: „Erst wenn wir alle Arten und ihre Verbreitungsräume wirklich kennen, können wir fundierte Aussagen über Auswirkungen wie zum Beispiel des Klimawandels machen. Die größte Bedrohung der Amphibien weltweit ist aber immer noch die Lebensraumzerstörung. Unsere Studie zeigt, dass wir für effektive Schutzmaßnahmen die tatsächliche Vielfalt der Arten, vor allem aber auch ihre tatsächliche räumliche Verbreitung erst noch erforschen müssen. Dazu brauchen wir aber mehr Experten - die taxonomische Forschung wird heute mehr denn je gebraucht.“

Publikation

Caminer MA, Milá B, Jansen M, Fouquet A, Venegas PJ, Chávez G, et al. (2017) Systematics of the Dendropsophus leucophyllatus species complex (Anura: Hylidae): Cryptic diversity and the description of two new species. PLoS ONE 12(3): e0171785. doi:10.1371/journal.pone.0171785

Video

www.youtube.com/watch?v=Q6Ca7hOWr04

Kontakt

Judith Jördens
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